Geschichte
Die Geschichte Schottlands reicht mehrere tausend Jahre zurück und ist geprägt von unabhängigen Königreichen, Clans, Kriegen und einem starken kulturellen Erbe. Von den ersten Siedlern über die Zeit der Pikten und Kelten bis zur Vereinigung mit England entwickelte sich Schottland zu einer Nation mit einer einzigartigen Identität, deren Traditionen bis heute lebendig sind.
Frühgeschichte
Die ersten Menschen erreichten das Gebiet des heutigen Schottlands bereits vor etwa 12.000 Jahren, kurz nach dem Ende der letzten Eiszeit. Im Laufe der Jahrtausende entstanden zahlreiche Siedlungen, Steinkreise und Grabstätten, von denen viele bis heute erhalten sind. Zu den bekanntesten gehören die jungsteinzeitliche Siedlung Skara Brae auf den Orkney-Inseln sowie die Steinkreise von Callanish auf der Insel Lewis.
Die Pikten und Kelten
Ab etwa dem 1. Jahrtausend v. Chr. lebten verschiedene keltische Stämme in Schottland. Im Norden dominierten die Pikten, während sich im Westen das gälische Königreich Dál Riata entwickelte, dessen Bewohner aus Irland eingewandert waren. Im Laufe der Zeit verschmolzen die Kulturen der Pikten und Gälen.
Das Königreich Alba
Im 9. Jahrhundert vereinigte Kenneth MacAlpin die Pikten und Gälen zum Königreich Alba, dem Vorläufer des heutigen Schottlands. In den folgenden Jahrhunderten entstand ein eigenständiges Königreich mit einer eigenen Sprache, Kultur und Verwaltung.
Die Wikinger
Vom 8. bis zum 11. Jahrhundert griffen Wikinger aus Norwegen die Küsten Schottlands an und besiedelten zahlreiche Inseln, darunter die Orkney- und Shetlandinseln sowie die Hebriden. Besonders auf den Äußeren Hebriden und der Isle of Skye hinterließen sie deutliche kulturelle Spuren. Auch der Clan MacLeod führt seine Herkunft nach der Überlieferung auf den nordisch-gälischen Fürsten Leòd zurück.
Die schottischen Unabhängigkeitskriege
Ende des 13. Jahrhunderts versuchte England, Schottland unter seine Herrschaft zu bringen. Dies führte zu den Schottischen Unabhängigkeitskriegen. Berühmte Freiheitskämpfer wie William Wallace und später Robert the Bruce kämpften für die Unabhängigkeit des Landes. Mit dem Sieg in der Schlacht von Bannockburn im Jahr 1314 sicherte Robert the Bruce die schottische Unabhängigkeit, die 1328 offiziell anerkannt wurde.
Die Zeit der Clans
Vom Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert prägten die schottischen Clans besonders die Highlands und die Inseln. Jeder Clan besaß eigene Ländereien, ein Oberhaupt (Chief), ein Wappen, einen Tartan und oft auch ein eigenes Motto. Zu den bedeutendsten Clans gehörte der Clan MacLeod, dessen Stammsitz Dunvegan Castle auf der Isle of Skye bis heute bewohnt ist.
Vereinigung mit England
Im 16. Jahrhundert spielte Mary, Queen of Scots (Maria Stuart) eine bedeutende Rolle in der Geschichte Schottlands. Sie bestieg 1542 als Säugling den schottischen Thron und war zugleich eine Enkelin des englischen Königs Heinrich VII., wodurch sie auch Anspruch auf den englischen Thron erhob. Nach politischen Konflikten wurde sie 1567 zur Abdankung gezwungen und floh nach England, wo sie auf Anordnung ihrer Cousine Königin Elisabeth I. fast 19 Jahre lang gefangen gehalten und schließlich 1587 hingerichtet wurde.
Ihr Sohn James VI. von Schottland erbte nach dem Tod Elisabeths I. im Jahr 1603 auch den englischen Thron und regierte dort als James I. von England. Damit wurden die Königreiche Schottland und England erstmals durch einen gemeinsamen Monarchen in einer Personalunion verbunden, blieben jedoch rechtlich weiterhin zwei unabhängige Staaten.
Erst mit dem Act of Union von 1707 wurden das Königreich Schottland und das Königreich England zum Königreich Großbritannien vereinigt. Trotz dieser politischen Union behielt Schottland sein eigenes Rechtssystem, seine Kirche und sein Bildungswesen bis heute bei.
Die Jakobitenaufstände
Im 18. Jahrhundert versuchten die Jakobiten, die vertriebene Stuart-Dynastie wieder auf den britischen Thron zu bringen. Der letzte große Aufstand endete 1746 mit der Schlacht von Culloden, der letzten Feldschlacht auf britischem Boden. Nach der Niederlage wurden die Clans entmachtet und das Tragen von Waffen sowie der Highland-Tracht zeitweise verboten.
Die Highland Clearances
Im späten 18. und 19. Jahrhundert wurden viele Bewohner der Highlands und Inseln im Zuge der Highland Clearances von ihren Ländereien vertrieben. Zahlreiche Familien wanderten nach Nordamerika, Australien und Neuseeland aus. Dadurch verbreitete sich die schottische Kultur weltweit.
Schottland heute
Heute ist Schottland ein Landesteil des Vereinigten Königreichs mit einem eigenen Parlament und einer eigenen Regierung in Edinburgh. Seit der Devolution im Jahr 1999 entscheidet das schottische Parlament in vielen Bereichen selbst, darunter Bildung, Gesundheitswesen, Justiz, Landwirtschaft, Kultur und Teile der Steuerpolitik.
Schottland besitzt es zahlreiche Besonderheiten, die es von England unterscheiden. Es verfügt über ein eigenes Rechtssystem (Scots Law), eine eigene Staatskirche (Church of Scotland) sowie ein eigenständiges Bildungssystem, dessen Abschlüsse und Universitäten international anerkannt sind.
Auch wirtschaftlich und kulturell bewahrt Schottland seine Eigenständigkeit. Zwar gilt im gesamten Vereinigten Königreich das Pfund Sterling (£) als Währung, doch geben die schottischen Banken – darunter die Bank of Scotland, die Royal Bank of Scotland und die Clydesdale Bank – eigene Banknoten aus, die ausschließlich in Schottland gestaltet werden.
Weitere Besonderheiten sind die eigenen Kfz-Kennzeichenserien, das schottische Parlament, eine eigene Polizei (Police Scotland), ein eigenes Gerichtswesen, eine eigene Nationalmannschaft in Sportarten wie Fußball und Rugby sowie zahlreiche nationale Institutionen und Behörden.
Die schottische Identität wird bis heute durch ihre Geschichte, die Clans, die Highlands, die gälische Sprache, den Dudelsack, den Kilt, den Whisky und den Harris Tweed geprägt. Schottland ist heute eine moderne Nation mit einer starken kulturellen Eigenständigkeit innerhalb des Vereinigten Königreichs.
Skara Brae
Callanish Stones
William Wallace
Robert the Bruce
Schlacht von Bannockburn
Mary, Queen of Scots (Maria Stuart)
James VI. von Schottland / James I. von England
Edinburgh
schottische Banknoten
schottisches Parlament